Bruni Steiniger zu »Und jedes Wort ein Flügelschlag«

RotFuchs | Ausgabe vom März 2010

Unerschöpflicher poetischer Schaffensdrang

Die Leser des „RotFuchs“ kennen seine Gedichte unter dem Namen E. Rasmus. Seit Jahren schon haben sie einen festen Platz in unserem Blatt. Doch wer verbirgt sich hinter diesem Pseudonym? Auch sein Buch »Und jedes Wort ein Flügelschlag«, das vor kurzem im Verlag Wiljo Heinen erschien, gibt es nicht preis. Und so wollen auch wir es dabei belassen und versuchen, »hinter den Kulissen« einen Menschen zu entdecken, der sich ganz im stillen zu einem bemerkenswerten Poeten unserer Tage entwickelt hat. Sein Schaffensdrang scheint unerschöpflich, so, als wolle er jede Regung des Lebens einfangen, festhalten und anderen ins Bewußtsein pflanzen. Nahezu alles aus Natur und Gesellschaft ist es ihm wert, mit treffsicheren Worten bedacht und in einem nach Schillerschem Vorbild gekonnten Versrhythmus zum Schwingen zu bringen. Empfindungen und Zweifel gehören genauso dazu wie der Jahresreigen oder Ereignisse und Personen.

Bestechend ist nicht nur die Fertigkeit, zu der er im Laufe der Jahre gelangt ist – sie ist ohne Zweifel als reife Kunst zu betrachten. Aus seinen Gedichten spricht ebenso ein kluger Geist, der aus einem äußerst vielseitigen natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Wissensfundus gespeist wird. Das zusammen mag ein klein wenig den in dieser Gesellschaft leider unbekannten Autor charakterisieren.

Seine ersten Schritte auf dem glatten Pakett der Kunst reichen weit zurück. Er wagte sie nach seiner Schriftsetzerlehre als Kultur- und FDJ-Funktionär sowie im Staatsapparat auf Kreis- und Stadtbezirksebene. Mit dem Ende der DDR wurde, wie für viele andere, auch für E. Rasmus der Boden, auf dem er sicher stand, weggerissen. Was dann kam, spricht aus seinen Gedichten. Wer sie aufmerksam liest, erkennt einen Lebensweg mit mehr Schatten als Licht, doch auch immer wieder ein trotziges Aufbegehren. E. Rasmus hat nicht klein beigegeben. Er hat zu kämpfen gelernt, gehört zu jenen, welche nicht müde werden, die DDR zu verteidigen und sich zu wehren – gegen Dummheit, Ignoranz und Bevormundung. So mag am Ende des Buches das Gedicht »Trotz finsterer Zeit – ein Licht«, das der Autor am 3. Oktober 2008 verfaßte, uns alle ermutigen, niemals zu vergessen, woher wir kamen und wohin wir wollen.

Bruni Steiniger

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