Leserkommentare zu »Aber ich glaube an den Triumph der Wahrheit«

Als Reaktion auf den Artikel in »neues deutschland« zu »Aber ich glaube an den Triumph der Wahrheit« erreichten uns Zuschriften von Lesern, den wir hier – mit deren ausdrücklicher Zustimmung – veröffentlichen.

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Ein Hauch des kalten Krieges

 

Kurz vor der Rosa-Luxemburg-Konferenz sind antikommunistische Geschichtsumdeuter noch einmal so richtig böse geworden. Im »neuen deutschland« (vom 12. Januar 2012) auf der Seite 17 haben doch Vertreter ihrer Zunft ernsthaft glauben machen wollen, Ernst Thälmann vor verbohrten Kommunisten in Schutz(haft) nehmen zu müssen. Aber vielleicht waren es auch nur charakterliche Schwächlinge oder Dümmlinge, die da am Werke waren. So genau konnte es in der »linken Tageszeitung« nicht festgestellt werden.

 

Aber unerhört war es schon, was da in der Festschrift zum 125. Jahrestag für Ernst Thälmann stand und dazu war es hanebüchen. Und schlimmer noch waren die Dinge, die nicht darin standen. So wurde also im nd-Beitrag rasch nachgetragen, was noch hätte in einer solchen Festschrift stehen müssen. Dabei stand dies alles schon im Ernst-Thälmann-Report. Ihn zu erwähnen, das widersprach nun wieder der Ethik kalter Krieger. So begnügten sich die nd-Autoren damit, die ausgelassenen Wiederholungen sozusagen in absentia als inkorrekt und Verfälschungen zu befinden. 

Als einen Ausgleich dafür vergaß das Autoren-Duo zu erwähnen, was tatsächlich noch in der Festschrift stand: so der Brief Ernst Thälmanns von 1944 aus dem Zuchthaus an einen ihm unbekannten Mithäftling, erstmals nach der Handschrift. Oder auch die anderen beiden Dokumente: Hans Kippenbergers Bericht über die Umstände der Verhaftung Thälmanns und Johannes R. Bechers Vorschlag von 1937, Thälmann zum Friedensnobelpreis vorzuschlagen. Aber gemach. Wir Linken verstehen das. 

Dafür wird im »neuen deutschland« Frau Buber-Neumann, eine Heilige im kalten Krieg der altbundesdeutschen Historiker, hektisch verteidigt. Frech und entgegen allen vorliegenden zugänglichen Dokumente im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes wird von »einem schmutzigen Handel zwischen NKWD und Gestapo« gefaselt. Das muss sich also ein Werner von Schulenburg, der derzeit als Botschafter residierte und später ebenso wie Thälmann ermordet wurde, von derartigen Finsterlingen nachsagen lassen. Abgesehen von der Ignoranz der damals geltenden zwischenstaatlichen Normativen. Aber so penibel förmlich waren kalte Krieger nie.

Dann beschmutzten Czichon und Marohn auch den Nestor der westdeutschen Antikommunismusforschung. Er wurde aber vom nd-Duo nicht verteidigt, denn Weber war im neuen »Neuen Deutschland« schon ausreichend zu Wort gekommen. Vielleicht aber auch, weil es ungemein schwierig erschien, ihn als Thälmann-Freund aufzustellen. Dafür wurde der Platz in der »linken Tageszeitung« dafür genutzt, einen exemplarischen Renegaten und würdigen Nachfolger Webers an der ideologischen Kampffront des Antikommunismus und einen richtigen »Widerstandskämpfer« in der DDR zu verteidigen, der es mit seinem Kampf gegen »geistige Blockaden« immerhin bis zum Professor in der DDR gebracht hatte. Zu diesem mutigen Casus hat Czichon schon im »Rotfuchs« lesenswertes mitzuteilen gehabt. 

Bemerkenswert bleibt für mich auch der Versuch, Renegatentum unter Linken hoffähig zu machen. Immerhin einige der ideologischen Kommunistenhäscher sind tatsächlich davon unbelastet. Ihre Solidarität mit den neuen Mitstreitern konnte erwartet werden. Den alten und neuen Antikommunismus als »sozialistische Kritik« moderat umzuschreiben, wird gewiss willige Nachfolger finden. 

Ich habe den Beitrag von Czichon und Marohn in der Festschrift noch einmal nachgelesen. Ob sie nun Kinner in die Nähe des Judenhassers Taubert rückten, ist eigentlich nicht deutlich erkennbar. Sie zogen sozusagen eine Traditionslinie ehemaliger und lebender Antikommunismus-Kämpfer. Dass sich da Taubert und Kinner neben vielen andern auch genannten wiederfinden ist nun einmal das Schicksal der Geschichte. Oder soll Kinner wirklich nicht gewusst haben, wer vor ihm mutig gegen den Kommunismus kämpfte. Glaube ich nicht. Aber es ist wirklich die reinste charakterliche Niedertracht von Czichon und Marohn, ihn darauf aufmerksam gemacht zu haben. Das finde ich schon richtig bewertet.

So ist es auch mit der Finanzierung der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Auch wenn es unredlich oder gar infam ist, den Schleier zu lüften. Die RLS wird nicht aus den Parteifinanzen finanziert. Sie steht wirklich auf der Haushaltsliste der Bundesregierung. Der Begriff »Cliquenverein« für die RLS, den die Autoren im neuen »neuen deutschland« verwenden, ist eine infame Unterstellung. Czichon/Marohn haben solcherart Diktion nicht verwendet. Sie ist auch unzutreffend. Das muss nun einmal klargestellt werden. Doch finanziert wird die RLS vom bürgerlichen Staat BRD. Das steht schließlich in ihren Geschäftsberichten. Und die BRD ist ein bürgerlicher Staat. Das ist ebenso unbestritten. Hier die Auszüge aus den Geschäftberichten der RLS, die im Internet nachzulesen sind.

 Jahresbericht der RLS von 2010, S. 77:

    Gesamteinnahmensumme:   30 479 846,02 €
    1. Zuwendungen:    
    Bundesministerium des Innern   6 661 252.00 €
    BMI Vorjahr:   466 070,00 €
    Bundesministerium für Bildung und Forschung   6 426 987,68 €
   

Verwaltung des Deutschen Bundestages für Parlamentsstipendiaten

  42 064,00 € 
   

Auswärtiges Amt

   
      Stipendien 526 442,42 €
      für Projekte 864 495,39 €
    Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit   15 314 874,56 €
    2. Spenden:   12 590,38 €
    3. Mitgliedsbeiträge:   10 504,22 €

 

 

 

  

    

  

       

 

     

     

 

       

      

 

Wenn ich richtig gerechnet habe, bekam die RLS aus den Haushalten diverser Bundesministerien weit über 29 Mill. €. (…) Hat das Theodor Bergmann gewusst, als er diesen Artikel mit unterschrieb? Wenn ja, wäre das sehr aufschlussreich.

Ob die RLS damit von ihrem Geldgeber gekauft wurde, das haben Czichon/Marohn offenbar sich nicht getraut zu beurteilen. Interessant aber ist, dass dies ihnen nun unterschoben werden soll. Warum nur? 

 

Peter Ungemuth per E-Mail



Hallo XXX,

 

Die Zusammenstellung der Festschrift »Ich glaube an den Triumph der Wahrheit« fand ich gut. Besonders informativ fand ich die Dokumente, die ja bisher noch nicht veröffentlicht worden waren. Der Brief Thälmanns von 1944 aus dem Zuchthaus Bautzen nach seiner Handschrift und ohne verschönernde Korrekturen zu veröffentlichen finde ich besonders verdienstvoll.

Noch eine Bemerkung. Schon im vergangenem Jahr habe ich im Internet gestaunt, dass die Rosa-Luxemburg-Stiftung Geld vom Bundesinnenministerium bekommt. In ihrem Jahresbericht 2010 stand dazu, dass aus dem Staatshaushalt solche Stiftungen gefördert werden, die »wesentliche und nachhaltige geistig-politische Strömungen in der Gesellschaft repräsentieren. Es obliegt der parlamentarische Entscheidung, nach welchen Kriterien politische Stiftungen Zuwendungen erhalten.« [Jahresbericht S. 65] Die »Kriterien« habe ich nicht gefunden, auch keinen Hinweis darüber, wer im Bundestag darüber entscheidet. Aber ich fand die Angabe, dass sich die RLS »der Verlässlichkeit der Mittelvergabe« ebenso angeschlossen hat, wie die anderen Parteien schon bemerkenswert. Das wollte ich eigentlich nur ergänzen.

Ulla [Name bekannt], Rostock per E-Mail


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